Das GU-FENG ENSEMBLE hat sich zwei Schwerpunkte bei seiner Arbeit gesetzt:

1.) Die traditionelle chinesische Musik, die im Westen kaum bekannt ist zu pflegen. So gehören eine Reihe der schönsten und bedeutensden Musikwerke Chinas zum Repertoire des Quartetts. 2.) Einen Beitrag zu leisten,um die chinesische Musik weiterzuentwickeln und sie durch zeitgenössische Strömungen befruchten zu lassen. In Zusammenarbeit mit jungen chinesischen Komponisten werden moderne Stücke einstudiert und z.T. als Uraufführungen vorgetragen.

Die Instrumente sind die folgenden:

PIPA - ist ein viersatiges Zupfinstrument mit 30 Bün­den. 24 davon auf dem Griff­brett und sechs auf dem kurzen Hals. Diese Lautenform wird in Handar­beit aus einem Stück Mahagoni hergestellt. Die Pipa wird um die Zeitenwen­de in China be­kannt, Vorläu­fer sind alte Lautenformen aus dem klei­nasiatisch-persischen Raum. Die Pipa gilt seit ihrer Verbreitung in China als die Königin der In­strumente.

ZHENG - ist eine Form der sehr alten Hatb-röhrenzither. Das ca. 1,20 m lange Instrument hat unter den 21 Saiten einen quaderförmigen Holzresonanzkörper. Die Saiten werden durch verschiebbare Stege gestimmt, sie werden beim Spiel abgegriffen und gezupft oder gestrichen. Vorläufer dieses sehr alten Instruments sind die zitherartigen Instrumente Qin und Se, die schon im zweiten Jahrtausend v.Z. gespielt wurden.

ERHU - ist eine zweisaitige Röhrengeige . Ei­ne Seite des Resonanzkör­pers aus Bambus ist mit Schlangenhaut überzogen. Der mit Roßhaar bespannte Bam­busbogen wird zwischen den beiden Saiten gestrichen. Die Bruderinstru­mente in anderen Tonlagen sind : Zhonghu und Gauhu.

GESANG - spielt in der chinesichen Musik eine tragende Rolle. Fast alle Lieder sind lyrische Dichtun­gen, die von einem Ereignis berichten, oder etwas beschreiben. Von den sehr alten Liedern sind oft nur die Texte erhalten, die erst Jahrhunderte später wieder vertont wurden.

Eine CD der Gruppe ist bereits hier erhältlich.

REPERTOIRE - Als Beispiel sei ein Abonnementkonzert genannt

Es folgen ein eher tradionell-ausgerichtetes Repertoire sowie ein schöner Aufsatz von E.Rühl

37. Abonnementkonzert der Spielzeit 1999/2000 Konzertauswahlabo Nr. 1600
Stuttgarter Kammerorchester
Dennis Russell Davies Leitung
Benjamin Hudson und Wolfgang Kussmaul Violine
Gu-Feng Ensemble:
Lan Rao Sopran
Ya Dong Pipa (chinesische Gitarre) Fengxia Xu Guzheng (chinesische Zither) Zhenfang Zhang Erhu (chinesische Geige)


Chen Yi
Geboren 1953
Romance and Dance für zwei Violinen und Streichorchester
Aufführungsdauer ca. 15 Minuten
Zhou Long
Geboren 1953
Konghou Fantasy für Sopran, Erhu, Pipa, Guzheng und Streichorchester
Aufführungsdauer ca. 8 Minuten
Lou Harrison
Geboren 1917
Konzert für Pipa und Streichorchester (1997)
Movement l: Allegro Movement II: Bits an Pieces
- Troika
- Three Sharing - Allegro moderato
- Wind and Plum - very slowly - very freely (To the memory of Liv Tien Hua)
- Neapolitain
Movement III: Threnody for Richard Locke
Movement IV: Estampie
Aufführungsdauer ca. 20 Minuten
- PaUSe - ca. 20 Minuten
Chen Yi
Geboren 1953
Wie in einem Traum für Sopran, Pipa Guzheng
Aufführungsdauer ca. 8 Minuten
Zhang Shiye
Geboren 1935
Yi Zhi Hua für Erhu und Guzheng
Aufführungsdauer ca. 9 Minuten
Chen Xiaoyong
Geboren 1955
Circuit für Guzheng solo
Aufführungsdauer ca. 12 Minuten
Zhou Long
Geboren 1953
Fünf Chinesische Volkslieder für Sopran, Pipa, Erhu, Guzheng und Streichorchester
Kleine Orchideenblüte/Lan Hua Hua (Shaanbei) Abschied/Zou Xi Lou (Shaanxi) Das Treiben der Viehherde/Gan Sheng Ling (Shaanxi) Ein Bambuszweig allein ist leicht zu biegen (Hunan) Berglied vom Pferdehüten/Fang Ma Shan Ge (Yunnan)
Aufführungsdauer ca. 12 Minuten
38. Abonnementkonzert der Spielzeit 1999/2000
Konzertauswahl Nr. 1604
Mittwoch, 24. Mai 2000 - 20.00 Uhr Beethovensaal
Stuttgarter Philharmoniker
Krzysztof Penderecki, Leitung
Dmitry Sitkovetsky, Violine
Felix Mendelssohn Bartholdy: Ouvertüre „Die Hebriden"
op. 26 (Fingalshöhle)
Serge Prokofjew: Konzert für Violine und Orchester Nr. 1
D-Durop. 19
Krzysztof Penderecki: Adagio für Orchester (4. Symphonie)


Repertoire, Teil 2

Die allermeisten chinesischen Musikstücke sind 'Programmusik', Musik, die bestimmte Situationen oder Ereignisse beschreibt. Hier kurze Beschreibungen einer Auswahl der aufgeführten Werke.

"Zehnseitiger Hinterhalt" (Pipa solo): Das berühmteste Stück traditioneller Militärmusik beschreibt ausführlich die Schlacht, in der 202 v.Z. der Han-König Liü Bang den Zhou-König Xiang Yü in einem zehnseitigen Hinterhalt be­siegt. Die neunteilige Musik be­schreibt das Aufstellen der Schlachtreihen, die ' Aufgaben der Offiziere, den Aufmarsch, verschiedene kleine und große Schlachten bis zur Entscheidung und der Verfolgung der Verlierer.

"Oin Sang Melodie" (Zheng solo): Eine Frau sehnt sich nach ihrem Mann, der weit von ihr entfernt beim Dienst am Grenzpass ist und nicht heimkehren kann. Die Einsamkeit und Trostlosigkeit der Frau ergreift alle Zuhörer.

"Galoppierende Pferde" (Erhu solo): Der mongolischen Tradition gemäß finden dort häufig Pferderen­nen statt, die man immer fröhlich feiert. Dem Zuhörer erscheinen vor seinem geistigen Auge Tausende von Pferden, die über eine grenzenlose Steppe galoppieren.

"Mondnacht im Frühling" - Blumen am Fluss (Pipa/ Zheng): Eines der brühmtesten Pipa-Stücke mit zivilem Charakter. Durch die anmutige und schlichte Melodie und den fließenden, sich än­dernden Rhythmus, sowie durch die sorgfältige, mit viel Feingefühl ausgeführte Interpretation entfaltet sich dem Zuhörer die Musik regelrecht wie eine reizende, typisch chinesische Bildrolle, die eine Landschaft darstellt.

"Fischer's Abendlied" (Zheng/Erhu): Das Seewasser kräuselt sich in dem milden Abendsonnenlicht und sanft rauscht der Wind. Ein Fischer rudert sein kleines Boot und besingt den Abend. Durch die auf- und ab­wogende, Melodie verleiht der Fi­scher seiner fröhlichen Stimmung Ausdruck. Das Allegro imitiert die Bewegung der Ruder und läßt uns die Heiterkeit des Augenblicks spüren.

"Jasmin" (Pipa/Zheng/Erhu/Gesang): Volkslied aus der Provinz Jiangsu in Ostchina, wo derJasmin am häufigsten in China anzutreffen ist. Die Blüte, der Duft. die Schönheit und Reinheit des Jasmins werden in China besonders geschätzt. Der Sänger des Liedes interpretiert den Zwiespalt in dem er steckt: er möchte den Jasmin mit all seinen Eigenschaften pflücken und besitzen, hat aber Angst vor dem Gärtner, vor den Leuten, und vorallem davor, daß der Jasmin im nächsten Jahr nicht mehr blühen wird.


 

"Chinesische Musik ist für Europa fremd, sich ihr zu nähern ist nicht nur für den Hörer oder den Musizierenden schwer, auch bereits einer theoretischen Beschäftigung sind hohe Hürden gesetzt. Die Quellenlage in Deutschland ist extrem schlecht, die wenigen Werke, die sich mit dem Sujet befaßen sind entweder selbst in den faktischen Angaben widersprüchlich, oder aber sie benutzen eine erzählerisch-märchenhafte Form. Über die aktuelle Ent­wicklung der Musik im China des 20. Jh. gibt es keine einzige ernstzunehmende Darstellung. Hier soll der Versuch gemacht werden, eine gröbste Übersicht über die Musikgeschichte Chinas zu geben: Musik spielte in China wohl schon in den ersten Hochkulturen ei­ne große gesellschaftliche Rolle. Dem ältesten der fünf Sagenkai­ser aus dieser Vorzeit wird die Erfindung der Schrift und der Musik zugeschrieben. Der Grundton dieser zahlhaft geordneten Musik ist 'Huang-Kung', der nach der Legende mit einer Glocke festgelegt wurde, die zugleich auch die Grundeinheit des allgemeinen Maßsystems war. Die frühesten Belege für die Musikkultur, in Form von Ritzzeich­nungen auf Schildkrötenschalen und Knochen, stammen aus der Shang- (Yin-)Dynastie (1523-1028 v.C.). Konfuzius (551-479 v.C.) selbst, der während der Zhou-Dy-nastle (ca. 1027-221) wirkte, soll Herausgeber des 'Buchs der Lieder' (Schi-king) sein, eines der wichtigsten Quellen über die Musik jener Zeit. Konfuzius soll auf seinen Reisen durch die Länder Chinas von den über 3.000 Volksliedern nur 300 für gut befunden haben, der Nachwelt überliefert zu werden . Diese Lieder bilden den Grund­stock der klassischen chinesischen Musik. . Musik hatte zwei große Wirkungskreise: die Hof- und Kultmusik auf der einen, die Militärmusik auf der anderen Seite. Zu Beginn der Zhou-Zeit wurde der Musik noch Zauberkraft zugesprochen, später sollte sie immerhin noch dazu dienen selbst die aufrührerischsten Menschen zu besämftigen. Aus der Zhou-Periode sind die Namen von ca. 40 Instrumenten überliefert, die nach ihrem Material klassifiziert wurden. Die erste bekannte Musiktheorie, die sich mit Tönen und Noten beschäftigt stammt aus dem 4.Jh. v.Z.; die ersten Tonbezeich­nungen für die pentatonische Leiter des frühen Chinas lauten (entsprechend dem do-re-mi-sol-la): Gung-Shang-Jiao-Zhi-Yü. Die Musik dieser Überlieferungen aus der Frühzeit Chinas ist immer die höfische Zermonialmusik; über die Volksmusik ist nichts bekannt. Die Kulturleistungen der Zhou-Zeit gehen in den Wirren der Reichsgründung verloren, und die nachfolgende Han-Dynastie strengungen unternommen wurden, die 'Alte Musik' wiederherzu­stellen. Die Hofmusik erlebte einen großen Aufschwung; das kaiserliche Orchester zählte über 800 Mitglieder, die in die Sek­tionen Kultorchester, ziviles Orchester, Kapelle für die Frauen und Militärorchester aufgeteilt waren. Das -auch musikalische­ideal der Han-Periode war einen Harmonie von Himmel, Erde und Mensch; Musik, zu deren Pflege eigens ein kaiserliches Musikbüro gegründet wurde, war ein wichtiges Mittel, diese Harmonie zu erreichen. Am Ende der Han-Zeit beginnt die Begegnung Chinas mit den Kulturgütern des Auslands; neue Stile und Instrumente (so auch die Pipa) kommen nach China und weichen das strenge konfuzianische Zermoniell auf. Der Höhepunkt dieser Auseinandersetzung mit der ausländischen Kultur wurde in der T'ang-Zeit (618-907) erreicht, wo es am Hof zehn Musikabteilungen gab, die mit jeweils eigenen Musikern, Instrumenten, Tänzern und Gewändern auftraten um je eine be­stimmte musikalische Tradition eines Volkes Ostasiens zu prä­sentieren. In der T'ang-Periode, die als der Gipfel des klassischen Liedes. wie auch großen lyrischen Literatur gilt, wurden die Kaiserlichen Musikämter (formell bis 1911) und zwei Konservatorien zur Pflege der Profanmusik gegründet. Diese Konservatorien, die mehr als 1.000 Jahre existierten, haben einen großen Teil der chinesischen Musik tradiert und gepflegt. In der Folgezeit trat die glanzvolle höfische Musik immer mehr zurück ; das viel populärere Musiktheater , das vor allem während der Mongolenherrschaft (1280-1368) sehr gefördert wurde, war bald die bedeutensde Musikgattungen in China'. In der Ming-Zeit (1368-1688) entsteht um 1564 ein musiktheoretisches Werk, das die Temperierung der 12 üblicherweise benutzen Halbtöne vor­schlägt. In den folgenden Jahrhunderten verliert die alte Zermonialmusik immer mehr an Bedeutung und wird nur noch am Hofe und später in privaten Gesellschaften gepflegt." (E.Rühl)